November 2025
Von Sandmeer zu Sandmeer bzw. von Erg zu Erg
(In Analogie zu unserem Motto „Ocean to Ocean“)
Rückblick
In den späten 1970iger und Anfang der 1980iger Jahre entwickelte sich eine Art „Sahara-Szene“. Noch ohne Internet und Mobiltelefonie gab es eine „analoge“ Reiseszene unterstützt von pionierhaft geschriebenen Streckenbeschreibungen, einschlägigen Clubszenen und Infopoints bei speziellen Ausrüster-Shops.
Den Pinzgauer kannte ich von meiner Zeit als Kraftfahrer beim Bundesheer. Was nie zu erwarten war, trat für ein kurzes Zeitfenster von 1982 bis 1983 ein, als ich im Besitz zunächst eines 710 M und darauffolgend von einem 712 M war. Durch ein Inserat von einem reiseerfahrenen deutschen Ehepaar auf der Suche nach einem Begleitfahrzeug sind wir auf entlegener Route von Algerien in den Niger gelangt (Djanet, Bilma, Ténéré, Aïr, Tamanrasset). Im Jahr darauf sollte in etwa in umgekehrter Richtung gefahren werden. Es gab allerdings Probleme beim neu aufgebauten Fahrzeug unserer Begleiter, weshalb wir zunächst unsere Reise allein fortgesetzt haben und später unterwegs in Agadez (Niger) nach Gleichgesinnten für die Fahrt durchs Ténéré Umschau hielten. Bei der Rückfahrt aus dem Niger trafen wir am Campingplatz in Tamanrasset George, mit welchem wir - damals im Besonderen und heute noch immer - die eher einsame Route über den Erg Tehodaïne und Erg Tiffernine nach Bordj Omar Driss fuhren (s. Karte). Viele Jahre und Reisen später, ist mir die Wiederholung der Befahrung dieser besonders schönen Tour im Herzen von Algerien nicht mehr aus dem Kopf gegangen …


Algerien liegt an der Nordküste Afrikas und ist das mittlere Maghrebland (Region der nordwest-afrikanischen Staaten) zwischen Marokko, Westsahara und Tunesien. Die Mehrheit der Bevölkerung (ca. 96%) lebt im Norden auf einem Fünftel der Fläche. Etwa 74% leben in Städten, die vornehmlich im Küstenstreifen liegen.
Nord-Süd Differenzierung (Norden: urban, dicht besiedelt, Mittelmeer mit mediterranem Klima und wirtschaftlicher Aktivität. Süden: von der Sahara dominiert, ländlich mit gänzlich unterschiedlichen Lebensbedingungen). Während der Norden die Mehrheit der Bevölkerung und Wirtschaftskraft konzentriert, ist der Süden ressourcenreich (u.a. Öl & Gas) aber weniger entwickelt, was die Ungleichheit zwischen den Regionen unterstreicht.

Die algerische Sahara, hinter dem Küstenstreifen mit Tellatlas, Hochland der Schotts und dem Schottatlas gelegen, nimmt mit gut 2 Mio. Quadratkilometern 85% der Landesfläche ein.
Anfahrt in den Süden
Algerien ist seit 2025 auf mittlerweile 69 Provinzen (Wilayas) unterteilt und sind diese nach dem Namen der jeweiligen Hauptstadt benannt. Die wichtigsten beiden Städte im Süden bzw. Südosten sind Tamanrasset und Djanet (erst seit 2019 eine eigene Wilaya, zuvor Illizi zugeteilt). War früher Djanet im Osten nur über die berüchtigte Fels-Wellblechpiste von Illizi über das Plateau de Fadnoun erreichbar, erfolgt die Anfahrt nun über eine durchgehende Asphaltstraße. Welche Wohltat!

Abb. 6 – Falaise nach In Aménas
Die Anfahrt vom Grenzübergang Taleb Larbi bis nach Djanet nimmt einige Tage in Anspruch. Bis Djanet sind es 1.750 km mit zu Beginn nicht endend wollenden Ortsdurchfahrten und später gegen Süden lfd. Kontrollen von Gendarmerie, Militär und Polizei. Unser erstes größeres Etappenziel ist Illizi, wo wir mit dem Chef der Agentur Mezrirene, Monsieur Ahmed Zegri, verabredet sind. Wir haben insofern Glück, dass wir bis dorthin in der Auswahl der Übernachtungsplätze frei entscheiden können und keinen Polizei-Eskorten ausgesetzt sind. Letzteres mit einer eher possenhaften Ausnahme in Hassi Messaoud, wo wir von der Stadtein- bis -ausfahrt von einem Polizeibus begleitet wurden, ohne darüber explizit in Kenntnis gesetzt zu werden. Mangels Alternativen bzw. aufgrund der großen Distanzen haben wir in Hassi Messaoud allerdings eine Cafepause eingeplant und sind einfach bei einem Cafe stehen geblieben. Die Eskorte hat unsere Pause ohne Murren abgewartet bzw. erst nach einiger Zeit höflich um Weiterfahrt ersucht.

Abb. 7 – Vor Illizi durch den Erg Bourarhet
In Illizi ist „alles volltanken“ angesagt. Die Treibstoffversorgung in Djanet wird uns als unsicher angekündigt. Das war damals schon so. Kaum vorstellbar, wieso dem noch heute so ist, zumal eine erstklassige Straßenverbindung besteht. Wir können am „hauseigenen“ Campingplatz der Agentur Mezrirene nächtigen. Der Platz ist ungepflegt und die sanitären Einrichtungen sind verwahrlost. Dementsprechend schlecht ist auch unsere Stimmung. Die Kommunikation mit M‘Barek, unserem Begleiter seit der Grenze, ist auch aufgrund seiner bescheidenen Französischkenntnisse bisher wenig aufschlussreich zum Ablauf der Tour gewesen. Am Abend werden wir persönlich beim Chef, Monsieur Zegri, eingeladen.


Abb. 8 – Willkommenseinladung bei Monsieur Zegri in Illizi
Hinter Illizi beginnt das felsige Plateau de Fadnoun, ein Teil des Tassili n’Ajjer. Diese Gebirgs¬kette wurde bereits 1972 zum Nationalpark und 1982 zum Weltkulturerbe erklärt. In Abbrüchen (Falaisen) führt die Straße N3 in die Plaine D’Admer vorbei am Erg Admer nach Djanet. Hat man nördlich des Plateaus den Grand Erg Oriental in einem riesigen Gassi (Gassi Touil, bezeichnet glz. ein riesiges Ölfeld in diesem Gebiet), einer Passage zwischen den links und rechts aufragenden roten Dünen, durchfahren, erblickt man nun eine unendlich erscheinende, weißgelbe Sandebene mit punktuell herausragenden Felsgebilden und dahinter liegenden Gebirgen. Den nördlichen Zipfel des Erg Admer werden wir später auf dem Weg zum Erg Tehodaïne queren.
Das frühere Fort Gardell, ein Pistenkreuzungspunkt, auf unserer alten Karte als Zaouatallaz eingezeichnet, heißt nun Bordj El Haouas. Waren es damals in unserer Erinnerung nur ein paar verstreute Gebäude, hat sich zwischenzeitig eine eher schäbige bisweilen chaotisch anmutende Ansiedlung als abgelegener Versorgungspunkt (Tankstelle) gebildet.

Abb. 9 – Kreuzungs- und Versorgungspunkt Bordj El Haouas
Noch aber sind wir nicht so weit. In Illizi bedarf es noch einiger Erledigungen, bis wir – nun mit Begleitfahrzeug (Toyota Hilux) mit Monsieur Zegri und seinem Helfer M’Barek – Richtung Djanet aufbrechen. Der N3 folgend, in der Näher der Abzweigung nach Afara, können wir auf einem erhöhten Platz zwischen Felsen und Sand nächtigen. So haben wir uns das vorgestellt.
Wieder auf der N3 machen wir einen Abstecher zur Oase Iherir. Diese liegt in einem engen Tal am Zusammenfluss des Oued Agghi und des Oued Iherir mit schroffen bis zu 350 m hohen Felswänden, eingeschnitten ins Plateau des Tassili n’Ajjer.

Abb. 10 – Museumsdorf(?) Oued Iherir
Die Oase gilt schon seit Beginn des Sahara-Tourismus aufgrund der reizvollen Landschaft und zahlreicher neolithischer Felszeichnungen als beliebtes Ziel. Früher war Iherir nur über eine besonders schwer befahrbare Piste mit Geländewagen erreichbar. Seit ein paar Jahren besteht eine Asphaltstraße. Wir schlendern entlang ausgebildeter Wasserbecken und beobachten Einheimische beim Angeln. Sieht idyllisch aus, zeugt aber eher von kargen Lebensbedingungen.

Abb. 11 – Guelta beim Dorf Iherir
Nicht weit südlich, von der N3 aus leicht erreichbar, liegt die Ausgrabungsstätte Tin Taghirt mit bekannten Felsgravuren, darunter die „lockige Kuh von Tinterhirt“.

Abb. 12 – Tin Taghirth, „Gelockte Kuh“


Abb. 14 – Übernachtung im Oued Essendilene
Nach einer weiteren Übernachtung im Oued Essendilene, einerseits mit Blick ins Tassili-Gebirge und andererseits schon die Plaine D’Admer mit dem Erg Admer erahnend, erreichen wir schließlich Djanet. Werden wir es wiedererkennen?
Djanet
Die Oase im südlichen Tassili n’Ajjer galt bis ins 19. Jahrhundert als eine Art Hauptort für die Tuareg. War diese früher nur mühsam über Pisten erreichbar, besteht etwa seit dem Jahr 2000 eine asphaltierte Straße zur nächstgelegenen Stadt Illizi. Das Hotel Zeriba liegt im Zentrum und wir können dort im großen Innenhof campieren. Uns wurde berichtet, dass das Hotel seit kurzer Zeit von italienischer Hand geführt wird. Die Anlage wirkt gepflegt und die zur Verfügung stehenden sanitären Einrichtungen sind sehr ordentlich sauber gehalten.

Abb. 15 – Einfahrtstor Djanet
Das Gebiet um Djanet, besser gesagt die Kommune Djanet, bestehend aus mehreren Dörfern, hat sich großräumig erweitert und wird mit typisch ausgeprägter „autobahnartiger“ Stadteinfahrt erschlossen. Das gibt es mittlerweile in vielen nordafrikanischen Städten.
Im alten Teil der Stadt herrscht jedenfalls wie eh und je pulsierendes Leben. Was auffällt, ist die hohe Polizeipräsenz. Hier im Zentrum begegnen einander Einheimische, Gastarbeiter aus Schwarzafrika und Touristen bei ihren Erledigungen.

Die meisten Touristen kommen allerdings per Flugzeug, um mit örtlichen Agenturen Touren ins Tadrart zu unternehmen. Der frühere Flughafen Djanet (Aérodrome Djanet) war zentrumsnah und wurde Mitte der 1980iger Jahre ca. 30 km südlich neu errichtet und Aéroport Tiska Djanet benannt, nach dem südlich gelegenen Mont Tiska (1533 m). Er wird allerdings auch als Aéroport de Djanet Tiska Inedbirene bezeichnet. Im Zuge einer Modernisierung (2011) erfolgte offensichtlich eine weitere Umbenennung in Djanet Airport Chekh Amoud Ibn Al-Mukhtar. Alles klar?
Die Restriktionen zum Befahren Südalgeriens mit dem eigenen Fahrzeug sind streng und für Außenstehende undurchsichtig, wenig nachvollziehbar und auch für die Guides mit viel Papierkram verbunden. Neben diesen Agenden erledigt Monsieur Zegri wohl auch seine persönlichen Besuche und lässt uns nach zwei Tagen wissen, wann es für uns ein Fenster in der Warteschlange an der Tankstelle nächst dem Zentrum gibt. Tatsächlich geht das Auftanken relativ schnell vonstatten und wir können zu unserem ersten Hauptziel ins Tassili Tadrart aufbrechen.
Tassili Tadrart
Dieser Gebirgszug im Südosten Algeriens grenzt im Osten an Libyen und im Süden an Niger und ist durch west-östlich orientierte, schluchtenartige Wadis durchzogen, die in den Erg von Tin Merzouga (rote Dünen) münden. In einzigartiger Weise treffen Felsformationen und Dünen in verschiedensten Höhen und in allen Farben des Saharasandes aufeinander. In der Neolithischen Regenzeit, etwa 7500 bis 3500 v. Chr., ergrünte die Sahara und war von Savannenvegetation bedeckt und für Mensch und Tier als Lebensraum geeignet. Es finden sich großartige Felsmalereien, die eine lange chronologische Spanne vom frühen Neolithikum bis zur Neuzeit abdecken und den Klimawandel dieses Gebietes von einer Savanne vor 10.000 Jahren zu einer Wüste vor 5.000 Jahren dokumentieren [s. Wikipedia].

Abb. 21 – Tassili Tadrart, Guide und Helfer wissen einander zu unterhalten

Abb. 22 – Tassili Tadrart, liegende Giraffe
Die Landschaft ist imposant und beeindruckend und zählt wohl zu den atemberaubendsten Wüsten auf dieser Erde. Die Fahrt durch die sandigen Wadis führt sowohl durch Weichsandfelder (Fech-Fech) mit größter Staubentwicklung als auch durch Dünenfelder und Felsformationen mit schroffen Talabschlüssen. In manchen befinden sich Gueltas, zeitweise mit Wasser. Ohne die Ortskenntnisse des Guides lassen sich Felsmalereien und Gravuren wohl kaum finden.

Abb. 23 – Unterschiedlichste Abbildungen aus …

Abb. 24 – … unterschiedlichen Zeiten?

Abb. 25 – Für einen Laien lassen sich keine klaren Muster hinsichtlich Darstellung und Technik erkennen
Wir verbringen mehrere Tage in diesem Labyrinth, fahren weite Täler hinein und wieder heraus. Manche Talabschlüsse scheinen befahrbar zu sein, enden jedoch oftmals als Fußpfad. Licht- bzw. Sonnenverhältnisse ändern sich je nach Wolkenhimmel und Tageszeit und hinterlassen prachtvolle Farbenspiele sowie Sonnenauf- und -untergänge.

Abb. 26 – Rastplatz im Schatten eines monolithähnlichen Felsens …
Die Einfahrt ins Tadrart wird vom Militär kontrolliert. Das hat aktuell leider zur Folge, dass für die Ein- und Ausfahrt dieselbe Strecke genommen werden muss. Ich empfinde das doch als sehr schade, da damit die Routenführung deutlich eingeschränkt wird und etliche Streckenabschnitte doppelt gefahren werden müssen. Reger Tourenverkehr wirkt dadurch verstärkt.

Abb. 27 – … gegenüber eine Riesendüne



Abb. 31 u.32 – Felsen umspült von Sand
Zurück in Djanet
Der Ausflug ins Tadrart hat landschaftlich mächtig beeindruckt, die eingeschränkte Streckenführung weniger. Unser Guide und sein Helfer versuchen einerseits möglichst unauffällig zu agieren, andererseits wirken Sie beim Zeigen der Felszeichnungen wenig euphorisch bzw. auskunftsfreudig.
Wieder zurück in Djanet heißt es für uns eine kleine Pause einzulegen sowie Wartungsarbeiten an unseren Fahrzeugen durchzuführen. Im Hof des Hotels Zeriba können Erfahrungen mit einer größeren deutschen Offroad-Gruppe, die eine Scouting-Tour unternimmt, ausgetauscht werden. Wir hatten diese zuvor schon im Tadrart angetroffen. Im zackigen deutschen Ton wird von deren Guide die Tagesorder ausgegeben. Die Welt ist so klein. Einer der Teilnehmer kommt aus Österreich und fährt mit einem erst kürzlich von einem gemeinsamen Freund angekauften Geländewagen diese Tour.
Wir sind froh, nur eine kleine Gruppe zu sein. Jetzt, wo man die örtlichen Gegebenheiten schon besser kennt, sind Besorgungen wie Geld wechseln, Marktbesuch zum Einkauf frischer Vorräte, Wasser auffüllen und das Flanieren durch den Ort deutlich entspannter. Kleine Supermärkte, Autozubehörgeschäfte und sonstige kleine Shops werden nach Brauchbarem oder vermeintlich Notwendigem durchstöbert. Cafes und Restaurants werden ausprobiert und goutiert. Das Leben und Treiben auf der Straße, der Busterminal und der Taxiverkehr, das Agieren von Polizei- und Sicherheitskräften können beobachtet werden.

Abb. 33 – Centre Ville, Markt mit umfangreichem Angebot

Schließlich langen die erforderlichen Genehmigungen zur Weiterfahrt ein. Tanken ist angesagt. Nach wie vor eine lange Warteschlange an der Tankstelle. Es dauert einige Zeit, bis der ersehnte Tankwagen eintrifft und wieder Treibstoff gebunkert werden kann. Wir stellen uns auf eine geplante Strecke von guten 800 km unter teils erschwerten sandigen Bedingungen ein.
Durch das südliche Tassili n‘Ajjer
Grob gesprochen führt der Weg von Djanet zurück nach Norden nicht über die Hauptroute, der N3, die einen „nördlichen“ Bogen über Illizi, In Aménas nach Hassi Bel Guebour bildet, sondern im Landesinneren, in einem „südlichen“ Bogen, durch die Plaine D’Admer, vorbei am Erg Tehodaïne, Tamdjert, Djebel Atafaitafa, Erg Tiffernine, Khannfoussa nach Bordj Omar Driss und weiter nach Hassi Bel Guebour wieder auf die N3.
Für mich ist dies das Herzstück unserer Tour, eine Reminiszenz an unsere Reise von 1983.
Tikoubaouine
Wir verlassen Djanet durch die felsig-sandigen Anhöhen des südlichen Ausläufers des Tassili-Gebirges. Ab da verläuft die Straßentrasse in der Ebene zwischen Erg Admer und dem Südrand des Gebirges. Der Blick fällt wieder in einmalig herrliche Wüstenlandschaft mit Sand und Felsformationen. Nach einiger Zeit verlassen wir das Asphaltband in Richtung Oued Tikoubaouine. Zugegeben, diesen Namen findet man nicht so leicht auf der Karte. Es ist ein Gebiet nordöstlich der Straße. Über riesige Sandhügellandschaften gelangt man in ausgebildete Felsenschluchten und Dünenformationen, ähnlich dem Tadrart. Vorbei an Wüstengräbern und einer Nomadenmoschee (ein nur mit Steinen ausgelegter Gebetsplatz, getrennt für Männer und Frauen) findet sich unschwer ein herrlicher Nächtigungsplatz. Wir befinden uns inmitten sandiger Talböden eines Schluchtenlabyrinths mit etwa 100 m hohen Felsen. An der in der Nähe liegenden Guelta Tikoubaouine gibt es nach Angaben des Guides dzt. kein Wasser, weshalb wir diese nicht anfahren. Durch die ringsum herausragenden Felsentürme bilden sich im Abendlicht lange Schatten.

Abb. 36 – Nomadenmoschee

Abb. 37 – Oued Tikoubaouine
Tazat
Wir biegen ab nach Westen, zunächst entlang von vereinzelten Ausgrabungsstätten und Gräbern, queren die N3 und münden in ein zu Beginn sehr breites Dünengassi, um den Nordzipfel des Erg Admer zu durchfahren. Der Himmel ist zeitweise bedeckt oder dunkelblaugrau mit grellem Sonnenlicht und es bilden sich herrliche Lichtspiele an den goldgelben länglichen Dünenkämmen. Die Ausfahrt des Gassis wird von kleineren Dünen versperrt und im Zickzackkurs gilt es einen fahrbaren Weg, möglichst ohne stecken zu bleiben, zu finden. Wir befinden uns im nördlichen Bereich einer riesigen Beckenebene. Mittags erreichen wir mitten im Nichts einen auf der Karte nicht eingezeichneten Brunnen nördlich des Ta-n-Araoua. Wie viele andere Brunnen auch, an denen wir noch später vorbeikommen werden, ist dieser eher verwahrlost. Solar-paneele für Pumpen sind abgerissen und elektrische Anschlusskästen zerstört bzw. Kabel abgezwickt.

Abb. 38 – Wir verlassen die Plaine Admer
Einige Kilometer entfernt, treffen wir auf einen abgelegenen Kamellagerplatz. Unser Guide unterhält sich mit dem einzigen Kamelhirten, während wir die vielen Jungtiere mit ihren Müttern beobachten können.

Bald danach queren wir eine breit gefächerte, in Nord-Süd-Richtung führende Piste, welche als markanten Punkt am Ti-n-Timoriene vorbeiführt. Wir aber steuern auf einen anderen markanten Punkt eines südlich auslaufenden Gebirgszuges des Tassili zu, den Tazat mit 2.090 m Höhe. Dabei queren wir die N55, das ist die Hauptverbindung nach Westen Richtung N1 (Tamanrasset, Assekrem 2.780 m), ebenfalls in großen Teilabschnitten bereits asphaltiert. In wilder Fahrt über Stock und Stein können wir noch vor Sonnenuntergang bis an den Fuß des Gebirges gelangen. Auf der einen Seite ragen die Felsformationen mit 1.600 bis 1.800 m empor und auf der anderen liegt eine riesige Ebene auf etwa 1.100 m vor uns. In der Nacht können wir anfangs einen zarten Lichtschein in weiter Entfernung im Osten nicht erklären. Es müssen wohl die Lichter der rd. 40 km entfernten Ortschaft Bordj El Haouas sein.

Abb. 41 – I-n Tehoun
Gara Tin Erkeni
Wir starten mit inzwischen wieder geübter Routine in den neuen Tag. Überhaupt versuchen wir unseren Tagesablauf nicht durch allzu lange Tagesetappen überzustrapazieren. Um diese Jahreszeit wird es schon früh dunkel. Die Nächte werden ziemlich frisch. Wir umfahren den Tazat durch ein Tal im Norden. Wie der Zufall so will, kommt uns hier ein Fahrzeug entgegen, übrigens das einzige auf der Strecke, abgesehen vom örtlichen Verkehr in Tamdjert. Ein Cousin von Monsieur Zegri mit Familie und Baby ist hier unterwegs. Es folgt eine herzliche Begrüßung.

Die Landschaft geht nun über in ein ständiges Auf- und Ab und unser Weg schlängelt sich durch die Unwegsamkeiten der Natur. Das Licht ist diesig und bei diesen Bedingungen fällt es uns schwer Entfernungen und Höhen einzuschätzen. Immer wieder versuchen wir markante landschaftliche Formationen den topographischen Angaben auf der Karte zuzuordnen. Wie weit sind die auserspähten markanten Punkte? Sind es die, die wir vermuten oder sind es nur kleinere Zwischengebirge? Sind die Dünen schon der Beginn des Erg Tihodaïne oder nur kleine vorgelagerte Dünenfelder?
Die Landschaft wechselt permanent zwischen Felsen-, Sand- und teilweise üppig bewachsenen Oueds und kleinen Über- und Abfahrten. Wir stoßen auf einen großen, auf der Karte nicht eingezeichneten Brunnen. Guide und Helfer kennen diesen und versorgen sich hier mit frischem Wasser. In der Nähe findet sich ein Nomadendorf.

Abb. 44 – Unbenannter Brunnen mit Trinkwasser
Irgendwann wird der Edjeleh zu unserem Orientierungspunkt. Wir nächtigen am Fuße des etwas südlicher gelegenen und deutlich niedrigeren Gara Tin Erkeni. Die Nacht wird wieder kalt.
Am nächsten Morgen krieche ich aus meinem Schlafsack und mache mich auf einen kleinen Erkundungsspaziergang, wobei ich mich immer mehr vom Lager entferne. Nach halber Umrundung des Gara Tin Erkeni finde ich auf der Rückseite eine Möglichkeit zum Aufstieg und gelange bis fast auf den Gipfel. Der Sonnenaufgang will wegen Wolkenhimmel nicht so ganz gelingen. Die erlangte Höhenlage ermöglicht aber einen herrlichen Rundumblick. Ist der Berg in der Ferne der ca. 100 km entfernte Tazat vom Vortag? Kann die Bergspitze im Westen der ca. 200 km entfernte Garet el Djenoun sein? Ist das da vorne schon der Tiouririne, der Berg in der Mitte des Erg Tihodaïne mit seinen 1.600 m? Wo waren wir damals 1983? Direkt unter mir erblicke ich unser Nachtlager. Ich bin froh, dass man mich sieht, um nicht als verschollen zu gelten.

Abb. 45 – Blick vom Gara Tin Erkeni Richtung Erg Tihodaïne
Auf in den Erg Tihodaïne - Sandspiele
Wie schon früher erwähnt, erfolgten bei der Abstimmung unserer Tour mit dem Guide wesentliche Einschränkungen. Dies lag wohl auch an Grenzüberschreitungen zwischen den Provinzen Illizi/Djanet und Tamanrasset und damit verbundener interner Komplikationen. Auf dem Weg zur Oase Tamdjert, ein bescheidenes Dörfchen als der einzig dauerhaft bewohnte Ort in dieser Gegend, streift man den Erg Tihodaïne lediglich entfernt am östlichen Rand. Ich aber will zu den im Inneren des Ergs liegenden Hügelgräbern. Es scheint mir ein interessantes Ziel zu sein, welches nach meinem Studium von Karten und SAT-Bildern möglich sein sollte über die Nord-West Seite anzufahren. Nun, nachdem Monsieur Zegri unsere Fahrzeuge, Fahrfähigkeiten und Teamgeist einige Tage kennenlernen konnte, löst er seine Zusage ein, uns in den Erg zu führen. Wie schon bisher haben wir uns aus der unmittelbaren Streckenführung vollkommen heraus¬gehalten. Meine Überraschung ist allerdings groß, als er uns von Osten mitten in die höchsten Dünen lotst.
Noch wissen wir nicht was auf uns zukommt. Die kommenden Tage werden zu einer Herausforderung.


Abb. 46 – Anfahrt vom Erg Admer zum Erg Tihodaïne
Die Anfahrt zum Erg beginnt zunächst harmlos. Über eine Ebene, dann durch einen ersten Durchstich zwischen Felserhebungen und den östlichsten Dünen geht es entlang an den Hängen der sich nach Osten ausbreitenden Dünenzüge. Es wird Zeit mehr Luft abzulassen. Wir über- und umfahren erste quer liegende Dünenrippen und gelangen über ein Becken zu den nun imposant aufragenden roten Dünengebirgen. Ein gutes Auge und viel Erfahrung sind gefragt, um für die Bewältigung der An- und Abstiege bzw. Dünenkammübergänge einen passenden Weg zu finden. Mit Respekt verfolgen wir, wie Guide und Helfer ihre Routenwahl treffen. Diese fahren mit ihrem leichten Fahrzeug voraus, bleiben vereinzelt stecken und geben Zeichen, wo es ihrer Meinung nach besser gehen sollte. Haben sie eine schwierige Passage gemeistert, legen sie sich auf den Dünenkamm und beobachten genüsslich, wie wir das nun machen würden.
Nun, unsere Gruppe konnte bei vergangenen Reisen viel Erfahrung zum Verhalten ihrer Fahrzeuge und deren Vor- und Nachteile sammeln. Schnell merken wir, dass es ab hier schwieriger wird. Lange Steigungen, steile Kuppen, weicher Boden verlangen neben der Wegwahl den richtigen Mix aus Geschwindigkeit und Gang bei gegebenem Gewicht, Motorleistung, Bodenfreiheit und Rädergröße. Es kommt auf Kraft und Geschwindigkeit, also auf den richtigen Schwung an, auch als Momentum bezeichnet. Wir erfreuen uns an jeder gemeisterten schwierigen Passage, aber es ist klar, dass etliche von diesen in die umgekehrte Richtung nicht befahrbar sind.

Abb. 47 – Wo geht´s hier zum Tiouririne?
Man befindet sich in einem Labyrinth und muss dabei einerseits die Befahrbarkeit ausloten und darf andererseits nicht die Zielrichtung aus dem Auge verlieren. Die zurückgelegten Strecken sind gering, der Treibstoffverbrauch fast unermesslich hoch. So geht es nun schon einige Zeit dahin, bis wir einen erhöhten Dünenkamm anfahren, von welchem man ins Zentrum des Ergs auf den Berg Tiouririne blicken kann. Zu unserem Bedauern erklärt Monsieur Zegri, dass er meint, von dieser Stelle keinen weiteren fahrbaren Weg zum Zentrum erkennen zu können. Wir müssen das akzeptieren. Keiner von uns hätte mit Sicherheit sagen können, es besser zu wissen. Noch aber gilt es einen Weg wieder hinaus in die Ebene zu finden. Dieser wird ein Vielfaches des bisherigen Weges werden.

Abb. 48 – In luftigen Höhen
Der Himmel ist bedeckt. Das diesige Licht erschwert die Einschätzung der Dünenformationen. In der Zwischenzeit befahren wir das Gelände unerschrockener. Doch immer wieder kämpfen die LKWs mit ihrem Fahrzeuggewicht beim Erklimmen von Dünenkämmen. Wir verzeichnen zwar keine „Totaleingrabungen“ allerdings bedarf es manch Anlaufes oder geänderter Fahrspur zur erfolgreichen Überwindung. In luftiger Anhöhe auf 1.300 m schlagen wir unseren Nachtplatz auf. Grund zum Feiern gibt der Geburtstag eines Mitglieds aus unserer Gruppe.

Abb. 49 – Man ist entspannt und beobachtet uns, wie wir mit der Materie zurechtkommen
Die Nacht ist wieder kalt. Unsere Begleiter machen ausgiebig Lagerfeuer, nicht nur am Abend, sondern auch immer wieder schon lange vor der Morgendämmerung. Es scheint ein klarer, sonniger Morgen zu werden und ich erklimme eine Düne. Von der Anhöhe gewinnt man einen Überblick des Geländes und nun kann ich sehen, woher wir gekommen sind. Wo wird es weitergehen?

Abb. 50 – Ein Schubs im richtigen Moment (Haha)

Abb. 51 – Zum Geburtstag ein Nachtplatz in den Dünen mit Tiouririne in der Ferne

Abb. 52 – Pausenplatz mit Weitblick

Abb. 53 – Seitwärts statt vorwärts
Übliches Morgenritual bis wir wieder zum Weiterfahren in die Gänge kommen. Auch unser Guide hat sich ein Bild über die Lage gemacht und ich habe den Eindruck, dass wir nahe der Gipfel der höchsten Dünen (1.400 m) sind. Man fühlt sich so wie bei uns in den Bergen beim Skifahren oberhalb der Baumgrenze. Es ist beeindruckend welche Hangbefahrungen möglich sind aber auch wie schnell man sich über Bodenverhältnisse verschätzen kann.

Abb. 54 – Kommando retour
Unser Führungsfahrzeug tastet sich behutsam voran. Aufmerksam beobachten wir Fahrstil und Routenwahl. Meist stimmen wir der gewählten Linie zu, manchmal sind wir anderer Meinung. Es kommt nur selten zum Steckenbleiben des Hilux. Wenn ein LKW in der Nähe ist, bedarf es meist nur eines kleinen Ruckes zum Herausziehen. Diesmal steckt er allerdings tiefer als sonst. Ein Reifen ist platt. Nach der Bergung wird eine undichte Stelle in der Lauffläche erkannt. Die beiden sind glücklich, dass das Loch mit Hilfe eines Reifenreparatursets von uns abgedichtet werden kann. Der mitgeführte Ersatzreifen ist eher fragwürdig – Inshallah.

Abb. 55 – Zuerst schaufeln, dann defekten Reifen reparieren
Immer weiter geht es auf und ab im Sandgebirge. Das Gewicht der Fahrzeuge steht im Kampf mit der Festigkeit des Untergrundes. Seitliches Abrutschen und Schräglagen zwingen uns da und dort zum Rückzug und weiten Umwegen mit wiederum neuen Hindernissen. Scheinbare Durchfahrtsmöglichkeiten erweisen sich als zu tief, zu steil, zu schräg. Die Suche nach einer Ausfahrtmöglichkeit zieht sich in die Länge. Und dann passiert, was man vermeiden wollte.

Abb. 56 – Viel schräger geht´s nimmer


Abb. 57 – Wir sind beschäftigt
Beim Versuch einer schrägen Dünenüberfahrt kommt der Unimog ins seitliche Abrutschen und bleibt in gefährlicher Schräglage hängen. Jetzt nur keine unüberlegten Handlungen setzen. Die Beifahrertüre kann nicht mehr durch eigene Kraft nach oben gedrückt werden. An der richtigen Stelle, beim richtigen Rad, lässt gezieltes Abgraben das Fahrzeug in die richtige Richtung absinken. Gleichzeitig erfolgt eine Sicherung mit Hilfe eines Bergegurtes des so weit wie möglich in Stellung gebrachten 12M18. Dieser steht allerdings auf der anderen Seite der Düne bergabwärts. Trotzdem keine Chance beim Versuch den Unimog ein Stück hochzuziehen, doch zumindest ist er nun stabilisiert. Der Bergegurt steht unter Vollspannung über die Dünenkuppe und schneidet sich in den Sand. Der 12M18 hat sich tief eingegraben. Schaufeln wird zur Sisyphusarbeit. Ruhe bewahren, tief durchatmen und nicht alle eigenen Kräfte durch Hektik verpuffen lassen.
Um es kurz zu machen. Am Ende müssen wir den Bergegurt abschneiden. Die Spannung konnte trotz langwieriger Grabungen nicht ausreichend abgebaut werden, um den Gurt an einem der Befestigungspunkte wieder lösen zu können. Der Unimog kann durch zurückfahren in die Falllinie stabilisiert werden, muss dabei allerdings in eine tiefe Senke gelenkt werden. Untergelegte Sandbleche zerstören beim Bergemanöver eine Reifenflanke irreparabel. Wieder in eine ausreichend gerade Position gebracht steht ein Radwechsel an. Wir können nun die eigens schräg im Heck verbaute Konstruktion für die Reserveradhalterung auf Tauglichkeit ausprobieren. Beim Ersatzrad ist das Ventil für die automatische Reifenluftdruckregelanlage umzubauen. Es gelingt uns, alle notwendigen Arbeitsschritte koordiniert abzuwickeln. Allerdings neigt sich das Tageslicht dem Ende zu. Wir beschließen getrennte Übernachtungen dies- und jenseits der Düne.

Abb. 58 u. 59 – Mit vereinten Kräften

In der Früh versuche ich wieder einmal durch Besteigung eines Dünenhangs einen besseren Überblick zu bekommen. In der Ferne liegt der neuralgische Punkt markiert durch ein in den Sand gestecktes Sandblech. Ich mache mich auf den Weg dorthin. Oben angelangt, höre ich bereits den Unimog den Motor warmlaufen lassen. Er nimmt eine neu gewählte Anfahrspur. Ich deute ihm eine noch direktere Linie zu wählen. Die Überfahrt gelingt, als ob nichts gewesen wäre.
Wir erreichen die letzten Dünenausläufer des Ergs und passieren den schon weiter oben angeführten „Durchstich“ an anderer Stelle und gelangen hinaus in die Ebene zu einem Brunnen. Das Wasser erscheint uns gut geeignet zum Ergänzen unserer Vorräte. Wir münden in die Piste von Afara nach Tamdjert. Über das felsige Gebirgsplateau führt eine neu errichtete Asphaltstraße an deren Ende man in eine sandige Senke gelangt.
Über Tamdjert ins Oued Ifernikene zum Erg Aoudjedite, Djebel Atafaitafa, Oued Ta-Haft

Das Asphaltband über das Fels¬plateau nach Tamdjert erinnert uns daran, was Straßenbau bedeutet. Was für eine Errungenschaft für die hier Lebenden! An der Straße bis mitten in die Oase wird noch gearbeitet. Monsieur Zegri besucht seine Verwandtschaft, während wir am Ortsrand eine Mittags¬pause abhalten. Hier gibt es auch ausnahmsweise Internet und wir können nach etlichen Tagen wieder Kurznachrichten aus¬tauschen. Star-Link ist in Algerien abgeschaltet bzw. gesperrt.


Abb. 61 - Entlang der sandigen Senke, über eine steile Auffahrt auf die Anhöhe des Felsplateaus
Über eine holprige Piste und zahlreiche Auf- und Abfahrten gelangen wir an den zentralen Südrand der Abbruchkante des Tassili n’Ajjer.

Abb. 62 – Über Stock und Stein
Im Oued Ifernikene befindet sich der malerische Erg Aoudjetide gegenüber dem Gebirge Djebel Atafaitafa. Entlang der Dünen des Ergs lässt es sich traumhaft schön über den Sand surfen.

Abb. 63 – Erg Aoudjetide

Abb. 64 – Traumhafter Nachtplatz am Erg Aoudjetide


Abb. 67 – Entlang des Djebel Atafaitafa
Entlang dieser Kante, diesem Talbecken, sind es ca. 130 km bis zum Einstieg ins Oued-Ta-Haft als Durchstich zum Erg Tiffernine.

Abb. 68 – Oued Ta-Haft
Um den Erg Tiffernine

Abb. 69 – Südspitze des Erg Tiffernine
Konnten wir am Erg Aoudjetide einen herrlich klaren Sonnenunter- und -aufgang genießen, hat sich das Wetter bis zum Erreichen des Erg Tiffernine verschlechtert. Beim Abfahren in der Früh ist es grau in grau und es beginnt leicht zu regnen. Der Erg liegt in dunklen Wolken, der Sand ist durch den Regen dunkelrot. Wir schlängeln uns durch die holprige Landschaft, umrunden die Südspitze und dann geht es entlang der Ostflanke des Ergs.

Abb. 70 – Entlang der Ostflanke des Erg Tiffernine

Abb. 71 – Erg Tiffernine
Es sind noch ca. 200 km Luftlinie bis zur nächsten Tankmöglichkeit in Bordj Omar Driss. Je weiter wir in den Norden kommen, umso flotter wird die Fahrt über die weiten Wellen der Dünenflanke. Das hat allerdings seinen Preis. Die Tankuhren neigen sich dramatisch dem unteren Ende zu. Hatte ich bei einer Pause meine letzten beiden Treibstoffkanister (40 l) nachgefüllt, nähert sich der Zeiger schon wieder seiner vorherigen Position.

Abb. 72 – Übergang vom Erg Tiffernine zum Erg Issaouane
Wir erreichen die alte Piste zum Berg Khannfoussa, wo wir unser Nachtlager aufschlagen. An diesem Abend können wir lange die Blitze eines entfernten Gewitters durch die dunklen Wolken beobachten. In der Nacht und am nächsten Morgen sind kurze Regenschauer.

Abb. 73 – Südlich des Khanfoussa im Erg Issaouane

Abb. 74 – Vor einem nächtlichen Gewitter
Kein Sprit in Bordj Omar Driss (Fort Flatters)
Aufgrund von Zeit- und Spritmangel folgen wir nicht der direkten Route durch die Dünen, sondern machen einen Umweg zur neuen, fast fertiggestellten Verkehrsverbindung (früheren Piste) von Illizi nach Bordj Omar Driss, ein Teil der “Gräberpiste“. Auch hier sind die Asphaltarbeiten weit fortgeschritten und die Strecke soll schon bald offiziell eröffnet werden. Nichtsdestotrotz bewegt man sich hier durch herrliche Dünenlandschaften des Erg Issaouane.

Abb. 75 – Neu ausgebaute Piste nach Bordj Omar Driss …

Abb. 76 – … östlich des Khanfoussa (646 m)
Die Piste ist östlich des Khannfoussa gelegen und führt in die leichte Senke nach Bordj Omar Driss, dahinterliegend die Felswände des 100 m höherliegenden Plateaus. Obwohl die Stadt mehrere tausend Einwohner hat und über mehrere Stadteile aufgeteilt ist, gibt es nur eine Tankstelle, aber derzeit leider keinen Sprit. Bis Hassi Bel Guebbour, an der Hauptstraße N3 gelegen, sind es noch ca. 70 km. So weit schaffen es der 12M18 und unser Pinzgauer vermutlich nicht mehr. Bevor sich Monsieur Zegri zurück auf den Weg nach Illizi macht, organisiert er von anderen Touareg zwei Kanister Diesel. Wir verabschieden uns herzlich und sein Helfer M’Barek fährt ab nun wieder im Steyr-LKW mit, um uns verpflichtend bis zur Grenze zu begleiten.
Resümee
Die Bedingungen zum freien Reisen in Algerien, besonders im Süden, sind seit Jahrzehnten stark reglementiert. Bisweilen ist die Einreise nicht möglich. Allen widrigen Umständen zum Trotz bietet die algerische Sahara Einblicke in eine faszinierende Landschaft unter¬schied¬licher Wüsten mit beeindruckenden Zeugnissen vergangener Besiedlungen.
Das Ziel dieser Reise ist ein Erfahren (im weiteren Sinn) der algerischen Sahara. Dies ist mit einer langen Anreise innerhalb Algeriens verbunden, wobei man am Weg in den Süden nicht überall verweilen kann. Wir werden durch dieses Land geschleust mit wenig Empathie und Stolz auf das durchaus im schwierigen Umfeld neu Geschaffene. Durch Fortschritt, Komfort, Infrastruktur, Bevölkerungswachstum, Rohstoffabbau als Einkunfts¬quelle usw. entstehen aber auch allgegenwärtige Müll- und klassische Umweltprobleme.
Nicht so sehr die vielen Straßenkontrollen selbst, sondern das Gefühl der starken Einge-schränktheit des „eigenen Bewegungsraumes“ bedrückt. So bremsen Beschränkungen bei der Befahrung im Tadrat unsere Euphorie.
Unsere Polizeieskorte in Hassi Messaoud war zuvorkommend und hilfreich für den Besuch einer Werkstätte. Es schien, als wäre es den Polizisten eine willkommene Abwechslung. Das selbständige Herumbummeln mit den Fahrzeugen durch die Stadt war jedoch nicht möglich.
Man hat den Eindruck, dass das Verhalten der Einheimischen gegenüber Fremden starkem staatlichen Einfluss unterliegt. Einblicke in das Leben von Land und Leuten bzw. deren Kultur bleiben uns dabei schwer zugänglich, geradezu „verschleiert“. Andererseits werden wir im öffentlichen Raum sehr oft äußerst freundlich durch „Hupen oder Daumen hoch“ willkommen geheißen. Ein Besuch in örtlichen Lokalen ist immer ein willkommener Anknüpfungspunkt.
Die oben angeführte eloquente Beschreibung (entfällt in der gekürzten Fassung) im Artikel von Roger Cohen bringt das bestehende Tourismusdilemma gut zum Ausdruck. Dies haben auch wir als Reisende in Algerien so empfunden.
Auf unserer Tour fungiert unser Guide, Monsieur Ahmed Zegri mit seinen 78 Jahren, früher in politischen Funktionen tätig und mit Verbindungen nach Europa, als Bindeglied unterschiedlicher Welten.
Gewaltige landschaftliche Dimensionen, schroffe Gebirge, imposante Felsformationen, riesige Ebenen, malerische Dünen und insbesondere das Befahren des Erg Tehodaïne haben uns bleibend beeindruckt.
Route

Anhang 1 - Route Übersicht
Für Interessierte habe ich ein PDF mit noch mehr Informationen zu Algerien zusammengestellt und kann ich auf Anfrage zusenden.